01.09.2026
BGH-Präsidentin Limperg: Ist in den Ruhestand getreten
Die bisherige Präsidentin des Bundesgerichtshofs (BGH) Bettina Limperg ist mit Ablauf des 31.08.2026 nach Erreichen der Altersgrenze in den Ruhestand getreten.
Limperg, 1960 in Wuppertal geboren, schloss ihre juristische Ausbildung 1988 ab und trat danach in den höheren Justizdienst des Landes Baden-Württemberg ein. Nach der Tätigkeit als Staatsanwältin bei der Staatsanwaltschaft Stuttgart und als Richterin am Amtsgericht und Landgericht Stuttgart war sie in den Jahren 1994 und 1995 als wissenschaftliche Mitarbeiterin an das Bundesverfassungsgericht abgeordnet. 2001 wurde Limperg zur Richterin am Oberlandesgericht, im Jahr 2004 zur Direktorin des Amtsgerichts Waiblingen und im Jahr 2009 zur Vizepräsidentin das Landgerichts Stuttgart ernannt. 2011 wechselte sie als Ministerialdirektorin und erste weibliche Amtschefin in das Justizministerium Baden-Württemberg.
Mit Wirkung zum 01.07.2014 wurde Limperg zur Präsidentin des Bundesgerichtshofs ernannt. Neben dem Vorsitz im Senat für Anwaltssachen sowie in den Großen Senaten für Zivil- und Strafsachen, die der Präsidentin des Bundesgerichtshofs von Gesetzes wegen übertragen sind, übernahm sie auch den Vorsitz im Kartellsenat, den sie bis September 2019 innehatte.
Wie der BGH mitteilt, lag Limperg ganz besonders die Aufarbeitung und wissenschaftliche Einordnung der Nachwirkungen der NS-Zeit in den Anfangsjahren des Bundesgerichtshofs am Herzen. 2017 betraute sie zwei an der Universität Mainz tätige Wissenschaftler unter anderem mit einem Forschungsprojekt zur Frühgeschichte des Bundesgerichtshofs in den Jahren 1950 und 1965. Die 2024 veröffentlichte zweibändige Abschlussarbeit, die sowohl die Gründung des Bundesgerichtshofs und die personelle Besetzung in den Anfangsjahren als auch die Rechtsprechung der Nachkriegsjahre beleuchtet, wurde im Dezember 2024 in einer von Präsidentin Limperg mitgestalteten Podiumsdiskussion in den Räumen des Bundesgerichtshofs präsentiert.
Im Jahr 2025 beging der Bundesgerichtshof unter der Präsidentschaft von Limperg zusammen mit der Bundesanwaltschaft das Festjahr seines 75-jährigen Bestehens.
Neben der Leitung des Bundesgerichthofs und ihrer spruchrichterlichen Tätigkeit engagierte sich Limperg auf nationaler und internationaler Ebene für die Erhaltung des Rechtsstaats. Von April 2021 bis November 2023 war sie die Präsidentin des Netzwerks der Präsidentinnen und Präsidenten der obersten Gerichtshöfe der Europäischen Union, dessen Vorstand sie während ihrer gesamten Amtszeit angehörte. Seit Errichtung der Stiftung Form Recht im Jahr 2019 ist sie die Vorsitzende des Kuratoriums der Stiftung.
Mit Limperg wurde der Bundesgerichtshof erstmals von einer Frau geleitet. Mit über zwölf Jahren hatte sie zudem die längste Amtszeit aller bisherigen Präsidenten des Bundesgerichtshofs.
Bundesgerichtshof, PM vom 31.08.2026