20.04.2026
Senkung der Umsatzsteuer: Wäre durch weniger Ausnahmen möglich
Die diversen ermäßigten Umsatzsteuersätze in Deutschland verursachen hohe Steuerausfälle und sind oft nicht überzeugend begründet. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Analyse des Leibniz-Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) im Auftrag des Bundesfinanzministeriums.
Sie zeigt, dass die Vielzahl an Ausnahmetatbeständen die Steuerbasis erheblich schmälert: Allein im Jahr 2026 würden sich die Mindereinnahmen auf rund 43,5 Milliarden Euro summieren. Eine Reduzierung der Ausnahmetatbestände könnte das Steuersystem nicht nur vereinfachen, sondern auch Spielräume für eine Senkung des regulären Umsatzsteuersatzes schaffen, meint das ZEW.
"Viele ermäßigte Steuersätze sind historisch gewachsen, aber heute kaum noch zu rechtfertigen. Diese Vergünstigungen sind weder verteilungspolitisch überzeugend noch wirtschaftlich sinnvoll. Statt immer neue Ausnahmen zu schaffen, sollte die Steuerpolitik stärker auf ein einfaches und transparentes System setzen", so Friedrich Heinemann, Leiter des ZEW-Forschungsbereichs "Unternehmensbesteuerung und Öffentliche Finanzwirtschaft".
Daniela Steinbrenner, Wissenschaftlerin im selben Forschungsbereich, ergänzt: "Ein Abbau schlecht begründeter Ausnahmen würde nicht nur die Einnahmesituation verbessern, sondern auch Bürokratiekosten und Abgrenzungsprobleme deutlich reduzieren."
Die Evaluation zeige ein differenziertes Bild, so das ZÈW: Besonders gut begründbar seien reduzierte Steuersätze für Lebensmittel, den öffentlichen Personennahverkehr sowie Photovoltaikanlagen. Diese Maßnahmen erreichten entweder verteilungspolitische Ziele – etwa durch Entlastung einkommensschwächerer Haushalte – oder förderten erwünschte administrative Effekte.
Viele andere Bereiche schneiden laut ZEW deutlich schlechter ab. Insbesondere für Gastronomie- und Beherbergungsleistungen sowie Teile kultureller und gesundheitlicher Angebote fehlten überzeugende Rechtfertigungen für einen reduzierten Steuersatz. Hier profitierten häufig eher einkommensstärkere Haushalte, während gleichzeitig hohe Steuerausfälle entstünden. Zielgenauere Instrumente wären direkte Transfers, da sie häufig effizienter sind als pauschale Steuersenkungen.
Simulationen in der Analyse zeigten, dass ein Abbau von Steuervergünstigungen erhebliche Spielräume eröffnet. Würden ermäßigte Steuersätze vollständig abgeschafft, könnte der reguläre Satz rechnerisch von 19 auf 16,7 Prozent gesenkt werden. Realistischere Reformoptionen, etwa mit Beibehaltung der Lebensmittelermäßigung, ermöglichten ebenfalls eine Senkung. Hier wären kaum negative Verteilungseffekte zu erwarten, während gleichzeitig die Steuerstruktur vereinfacht würde.
Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung, PM vom 17.04.2026